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50 Jahre Frauenfußball - aus den Anfängen im Kreis Paderborn

Im Kreis Paderborn rollte der Ball schon vor der Aufhebung des Frauenfußballverbots. Offiziell erst am 31. Oktober 1970 durch den Deutschen Fußball-Bund (DFB) wieder erlaubt, fanden sich schon in den Monaten davor einige Frauen auf den Fußballplätzen zusammen und lockten dabei jede Menge Zuschauer in die Stadien. Eine aufregende Zeit, in der vor allem beim SV Alfen sowie beim SC Espeln viel los war.
Plötzlich stand ein ganzes Dorf auf dem Kopf: Am 28. Mai 1970 fand beim Sportverein Rot Weiß Alfen ein Damenfußballturnier statt. 1000 Einwohner fasste das kleine Dorf im Kreis Paderborn damals. Mit dem Fußballturnier drängten sich mit 3000 Menschen gleich dreimal so viele Menschen um die Alfener Sportanlage. Der Andrang war so groß, dass einige Zuschauerinnen und Zuschauer auf dem Feld standen, was nicht nur den Spielerinnen, sondern vor allem auch den Linienrichtern die Arbeit erschwerte.
Doch das hinderte keinen der Beteiligten, viel Freude an diesem unglaublichen Fußballfest zu haben. "Auch unser damaliger Kassierer hatte natürlich viel Grund zu Freude. Er musste die Eintrittskarten an diesem Tag halbieren, um alle Anwesenden mit einer Karte versorgen zu können", erinnert sich Franz Lüke, Vereinschronist und damaliger Schiedsrichter des SV Alfen, der beim Turnier als Linienrichter im Einsatz war. Auch neben dem Platz gab es an diesem Tag viel zu erleben. Während die Alfnener Musikkapelle für Stimmung in der Pause sorgte, war auch das ZDF mit seiner Torwand in dem beschaulichen Örtchen zu gegen. Das Turnier war ein riesiger Erfolg für den Verein, der auch in der Vereinskasse zu spüren war.
"Die Alfener Damen haben noch etliche Spiele ausgetragen, unter anderem gegen den SV Bentfeld, Teutonia Lippstadt oder den SV Reelsen und dabei so manches Spiel nach hartem Kampf verloren. Aber durch ihren Mut, als erste Damenmannschaft in der Region aufzutreten, haben sie dieser damals neuen Sportart zu etwas mehr Popularität im heimischen Raum verholfen", sagt Lüke. Trotz der anfänglichen Euphorie konnte die damalige Alfener Mannschaft den Spielbetrieb aus gesundheitlichen und anderen Gründen jedoch nicht weiterführen. Erst Jahre später gab es bei Sportfesten wieder Damen-Fußballspiele auf dem Alfener Sportplatz.

Eine weitere schöne Geschichte des Frauenfußballs schrieb der SC Espeln. Nach einem Besuch beim FC Hövelriege beschlossen die Espelnerinnen, eine eigene Mannschaft zu gründen. Das erste Spiel fand am 24. Juni 1970 gegen den FC Kaunitz statt. Und genau wie in Alfeln, war auch dieses Spiel ein echter Besuchermagnet. Rund 1000 Zuschauerinnen und Zuschauer fanden an diesem Tag den Weg in das beschauliche Espeln.
Schon einen Monat später nahmen die SC-Frauen an ihrem ersten Turnier beim FC Hövelriege teil und gingen gleich als Sieger vom Platz. Die Altersstrukturen in den Mannschaften waren damals noch sehr gemischt. "Es gab keine Altersbegrenzung. Die kam erst mit dem Beginn der Mädchenspiele 1972. Es durften Mädchen ab 15, später sogar ab 14 Jahren bei den Frauen mitspielen", erinnert sich Hedwig Thieschnieder, damals aktive Spielerin des SC Espeln.
Da das Fußballspielen im Frauenbereich allgemein damals noch nicht wirklich verbreitet war, mussten die Damen längere Anfahrten in Kauf nehmen, um Spiele bestreiten zu können. "Meiner Erinnerung nach gab es im Kreis Paderborn zu dieser Zeit mit uns und dem FC Hövelriege nur zwei Frauenmannschaften", sagt Thieschnieder. Deswegen spielten die Paderborner Teams im Kreis Bielefeld, im Kreis Gütersloh und im Kreis Lippe.
Mit dem Aufstieg in die Bezirksliga 1975 wurden die Fahrten sogar noch weiter. Dann ging es für den SC unter anderem nach Hamm-Uentrop, Werne oder auch nach Herford. "Auf einen weiteren Aufstieg in die Landesliga haben wir damals verzichtet", erinnert sich die ehemalige Spielerin Thieschnieder weiter. Anfang der 80er-Jahre verzeichneten die Frauen aus dem Kreis Paderborn dann noch einen sportlich tollen Erfolg. Eine Kreisauswahl mit Spielerinnen des SC Espeln, SJC Hövelriege, SV Behausen und TuS Schloß Neuhaus setzte sich bei einem Winter-Hallenturnier gegen benachbarte Kreisauswahl-Mannschaften durch.
Eine besondere Erinnerung des SC bezieht sich zudem auf ein Ereignis abseits des Platzes. Denn als die deutsche Frauennationalmannschaft 1989 die Fußball-Europameisterschaft gewann und dem Frauenfußball damit auch zu einem höheren Ansehen verhalf, waren die Espelnerinnen vor Ort. Sowohl beim Halbfinale in Siegen als auch beim Finale in Osnabrück jubelten die SC-Damen ihre Vorbilder zum Titel.

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